Haaranalysen auf Alkohol, Drogen und/oder Medikamente

Wer seinen Führerschein wegen Drogen- oder Alkoholkonsums abgeben musste, muss im Rahmen der MPU einen Abstinenzbeleg beibringen, der eine Änderung des Konsumverhaltens dokumentiert. Dieser Beleg kann durch ein Urin-Screening oder eine Haaranalyse erbracht werden. Während eine Haaranalyse einen bestimmten Zeitraum überprüfen kann, kann eine Urin-Kontrolle nur die Werte zu einem bestimmten Zeitpunkt erfassen. Für ein Urin-Screening sind mehrere Kontrollen notwendig, meist vier Kontrollen in einem halben Jahr oder sechs innerhalb eines gesamten Jahres.

Haaranalyse oder Urin-Screening?

Viele Gutachter sehen zwar gerne ein Urin-Screening, doch in der Praxis setzt sich aufgrund einiger Vorteile die Methode der Haaranalyse durch. Eine Haaranalyse ist weniger aufwendig als Urin-Screenings. Oft kann der notwendige Nachweis bereits mit einer einzigen Haarprobe erbracht werden, während immer mehrere Urin-Kontrollen erforderlich sind. Und auch die Probenentnahme ist angenehmer: Die für die Kontrolle erforderlicher Urinprobe muss der Betroffene unter Aufsicht eines Arztes oder einer Ärztin abgeben, um Täuschungsversuche zu vermeiden.

Die Entnahme von Haaren ist für die meisten Menschen deutlich angenehmer. Urin-Kontrollen dürfen den Betroffenen maximal 48 Stunden vorher angekündigt werden, Abwesenheiten der Probanden sind nicht möglich oder müssen plausibel erklärt und angekündigt werden. Haaranalysen hingegen sind auch für die Betroffenen einfacher zu planen und durchzuführen. Auch finanziell gesehen sind Haaranalysen vorteilhafter als Urin-Screenings.

MPU Beratung

Haaranalysen ermöglichen Nachweise über bestimmte Zeiträume

Ein großer Vorteil der Haaranalyse gegenüber einem Urin-Screening liegt darin, dass eine Untersuchung der Haare Werte eines vergangenen Zeitraumes ermitteln kann. Ein Urin-Screening hingegen kann nur einen aktuellen Wert anzeigen, der nichts über die vergangenen Wochen aussagt. In der Praxis wird für einen Zentimeter des Haupthaares ein Monat anerkannt. Geht es um den Konsum von Drogen, werden meist sechs Zentimeter des Haares analysiert, bei der Frage nach Alkoholkonsum reichen drei Zentimeter. Das heißt, bei einer Haaranalyse kann der Drogen-Konsum der letzten sechs oder der Alkohol-Konsum der letzten drei Monate geprüft werden.

Welche Substanzen können mit einer Haaranalyse nachgewiesen werden?

Es gibt eine Vielzahl von Substanzen, die sich in das Haar einbauen lassen und dort nachweisbar sind. Solange diese Substanzen sich im Blut des Probanden befinden und in die Haarwurzel gelangen, treten sie ins Haar über. Zu den Substanzen, die ins Haar gelangen, gehören unter anderem:

  • Kokain
  • Amphetamin
  • Amphetaminderivate
  • Methadon
  • Benzodiazepine
  • Morphin
  • THC-COOH, ein Abbauprodukt von Cannabis und
  • die Alkoholmarker ETG (Ethylglucuronid) und FSEE (Fettsäureethylester)

Dabei ist festzuhalten, dass nicht alle Substanzen gleichermaßen in die Haare gelangen. Kokain, Amphetamin und Morphin sind basische Verbindungen, die sehr gut in das Haar eingebaut werden. Saure Verbindungen wie THC-COOH werden dagegen eher schlecht eingebaut. Schon der einmalige Konsum von gewissen Substanzen kann bei einer Haaranalyse nachgewiesen werden.

Was kann das Analyse-Ergebnis beeinflussen?

Bestimmte Lebensmittel und Medikamente können das Analyse-Ergebnis beeinflussen. Alkoholhaltige Speisen und auch Medikamente, wie etwa frei verkäufliche Grippemittel, können das Ergebnis ebenso beeinflussen wie mohnhaltige Speisen. Aber auch der Aufenthalt in Räumen, in denen Cannabis geraucht wird, kann sich im Ergebnis der Haaranalyse niederschlagen. Denn die Haare können auch von außen kontaminiert werden, zum Beispiel durch Staub oder Rauch. Auch gründliches Waschen hilft nicht immer. Zwar lässt sich oft erkennen, ob es zu einer Kontamination von außen gekommen sein kann, dennoch kann in einem solchen Fall der Abstinenznachweis verweigert werden.

Auch die Beschaffenheit des Haars selbst kann einen Einfluss auf das Analyse-Ergebnis haben. Stark pigmentiertes, also dunkleres Haar, kann mehr Stoffe einlagern als weniger pigmentiertes Haar. Das heißt, dass eine blonde Person und eine schwarzhaarige Person unterschiedliche Konzentrationen in ihren Haaren speichern, auch wenn sie dieselbe Menge Kokain konsumiert haben. Hier ist der Extremfall denkbar, dass zwei Menschen nach dem Konsum derselben Menge Kokain unterschiedliche Befunde erhalten, dass etwa eine Person einen unauffälligen Befund erhält, während die andere positiv getestet wird.

Wie läuft eine Haaranalyse ab?

Um eine Haaranalyse im Rahmen einer MPU durchzuführen, muss zunächst die Identität des Probanden überprüft werden. Dadurch wird ausgeschlossen, dass Betroffene eine andere Person an ihrer statt zu diesem Termin schicken. Danach werden dem Probanden zunächst zwei Haarbündel entnommen. Beide Bündel haben etwa die Dicke eines Bleistiftes. Meist werden die Haare vom Hinterkopf entnommen. Bei Probanden, die nur wenige Haare haben, können auch verschiedene Stellen genutzt werden. In Ausnahmefällen können auch Haare an anderen Körperstellen als dem Kopf entnommen werden. Allerdings ist es eher üblich, auf Urinproben auszuweichen, wenn am Kopf nicht genügend Haar abgeschnitten werden kann. Nach der Entnahme der Haarproben muss der Proband beglaubigen, nicht mehr mit der Haarprobe in Kontakt gekommen zu sein. Auch diese Vorschrift dient der Fälschungssicherheit. Bis zur tatsächlichen Untersuchung der beiden Haarproben (Probe und Rückstellprobe) werden die Haarsträhnen in Alufolie eingeschlagen. Dabei wird die kopfhautnahe Seite der Strähnen gekennzeichnet. Sowohl die Länge des zu untersuchenden Haares als auch die des Resthaares wird millimetergenau gemessen und dokumentiert.

Drogen können erst zwei Wochen nach dem Konsum im Haar sichtbar gemacht werden. Eine Woche dauert es in etwa, bis der Stoff sich im Haar abgelagert hat und der entsprechende Bereich des Haares aus der Kopfhaut herausgewachsen ist. Eine weitere Woche dauert es ehe, das Haar lang genug ist, um es mit dem erforderlichen Überstand von zwei Millimetern abzuschneiden.

Um die Drogen-Abstinenz für den Zeitraum eines Jahres zu belegen, sind zwei Haaranalysen erforderlich. Hierbei werden jeweils sechs Zentimeter Haar überprüft. Um eine einjährige Alkohol-Abstinenz nachzuweisen, sind vier Haaranalysen notwendig. Hier werden jeweils drei Zentimeter Haar untersucht.

Empfohlen wird die Untersuchung der Haarsegmente, die dem Zeitraum entsprechen, der frühestens drei Monate nach dem letzten Konsum liegt. Bei chronischem Konsum kann es sogar sinnvoll sein, bis zu sechs Monate nach dem letzten Konsum abzuwarten.

Welche Auflagen müssen bei einer Haaranalyse erfüllt werden?

Um einen Abstinenzbeleg zu erhalten, der bei der MPU anerkannt wird, müssen einige Bedingungen erfüllt sein. Die Probenentnahme und Haaranalyse dürfen durch folgende Stellen durchgeführt werden:

  • Rechtsmediziner
  • Arzt in einer Fahreignungsbegutachtungsstelle wie TÜV oder Dekra
  • Arzt oder Toxikologe eines akkreditierten forensischen Labors
  • entsprechend qualifizierter Arzt eines Gesundheitsamtes
  • entsprechend qualifizierter Arzt des öffentlichen Dienstes

Jede durchführende Stelle einer Haaranalyse ist verpflichtet,  einen Abschlussbericht anzufertigen, der die Ergebnisse dokumentiert. Außerdem müssen in diesem Bericht die Rahmenbedingungen des Abstinenzprogramms, etwaige Fehlzeiten des Probanden und die Analyse-Methoden angegeben werden.

Was müssen Probanden bei einer Haaranalyse beachten?

Probanden, deren Haare auf Alkoholkonsum getestet werden, sollten nicht nur auf alkoholische Getränke verzichten, sondern auch auf Lebensmittel und Medikamente, die Alkohol enthalten. Und auch alkoholfreie Biere und Weine können geringe Mengen Alkohol enthalten, die sich auf das Analyse-Ergebnis auswirken und eventuell den Grenzwert überschreiten. Für den Beleg einer Drogenabstinenz sollten Betroffene auf Mohn- und Hanfprodukte verzichten, die die Analyse-Ergebnisse verfälschen können. Auch der Aufenthalt in Räumen, in denen Drogen konsumiert werden, kann sich auf das Ergebnis auswirken. In Frage kommende Substanzen können unter Umständen auch direkt über das Haar aufgenommen werden. Wer eine Haaranalyse vornehmen lässt, sollte auf das Bleichen oder Colorieren der Haare verzichten. Bei Drogenanalysen werden colorierte Haare zwar akzeptiert, aber nur in Verbindung mit einer zusätzlichen Urinabgabe über den Zeitraum eines halben Jahres oder einer ergänzenden Haaranalyse von sechs Zentimetern unbehandelten Haares.

Da es möglich ist, dass die konsumierten Substanzen auch lange nach dem Konsum noch in die Haaren gelangen, ist es ratsam, nach dem letzten Konsum eine Weile zu warten, ehe die Haare analysiert werden. Je nach Intensität des Konsums wird ein Zeitraum zwischen drei und sechs Monaten nach dem letzten Konsum empfohlen.

Die Wachstumsphasen des Haares und ihre Bedeutung für die Analyse

Nachdem eine Substanz in das Haar eingebaut wurde, wächst sie mit dem Haar und entfernt sich damit immer weiter von der Kopfhaut und der Haarwurzel. Man könnte das Haar wie einen Fahrtenschreiber betrachten, der die Aufnahme bestimmter Substanzen dokumentiert. Das Haar wächst im Monat um etwa einen Zentimeter. Das bedeutet, dass Substanzen, die in den letzten 6 Monaten konsumiert wurden, in den ersten sechs Zentimetern des Haares von der Kopfhaut aus nachweisbar sind. Allerdings wachsen die Haare unregelmäßig und durchlaufen verschiedene Zyklen. Es lassen sich drei Wachstumsphasen unterscheiden:

  • Wachstumsphase
  • Übergangsphase
  • Ruhephase

Der Großteil der Haare am menschlichen Körper, etwa 90 Prozent, sind in der Wachstumsphase. Die Dauer der Wachstumsphase ist individuell unterschiedlich. An die Wachstumphase schließt sich die Übergangsphase an, in der sich das Haar von der Haarwurzel trennt. Danach folgt die Ruhephase. In dieser wird das Haar abgestoßen und ein neues Haar wird produziert.

Für die Analyse der Haare bedeutet das, dass ein Zentimeter des Haupthaares nicht unbedingt den Zeitraum eines Monats zeigt. Haare in der Ruhephase können also in den getesteten sechs Zentimetern auch Substanzen anzeigen, deren Konsum deutlich mehr als sechs Monate zurückliegt.

Zudem lässt sich der Testzeitraum nicht in jedem Fall exakt eingrenzen. Bei jemandem, der in der Vergangenheit besonders hohe Dosen konsumiert hat, kann das ebenso der Fall sein, wie bei jemandem, der Substanzen konsumiert, die sich sehr leicht in das Haar einarbeiten. Diese können dann auch lange nach dem Konsum Spuren hinterlassen. Es ist auch möglich, dass Stoffe im Haar wandern. So können sie sogar auf andere Haare übergehen.