Ab wann ein Abstinenznachweis?

Einen Abstinenznachweis verlangt die Behörde, wenn Sie Ihren Führerschein wegen Alkohol oder Drogen am Steuer verloren haben. Ein Abstinenznachweis ist ein detailliertes Kontrollprogramm bei welchem Drogenscreenings anhand Urin- oder Haaranalysen innerhalb durchgeführt werden. Die Kontrollen werden Spontan durchgeführt in einem Zeitraum von sechs Monaten und in Ausnahmefällen kann die Laufzeit bis zu 12 Monaten dauern. Über die Kontrolle werden Sie kurzfristig vorab informiert.

Pro Jahr finden in Deutschland etwa 100.000 medizinisch-psychologische Untersuchungen statt. Wer seinen Führerschein wegen Alkohol oder Drogen am Steuer verloren hat, muss einen Abstinenznachweis erbringen, um den Führerschein wiederzuerlangen.

Früher war es häufig ausreichend, mithilfe der aktuellen Leberwerte die Alkoholabstinenz nachzuweisen. Doch heute ist diese Methode veraltet und die Behörden akzeptieren das so nicht mehr. Die Kriterien für das Bestehen der MPU unterliegen ständiger Aktualisierung. Sie werden regelmäßig an die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse angepasst. Die letzten Anpassungen waren 2009 und 2014. Das bedeutet, dass sich beim Thema Abstinenz entscheidende Kriterien im Lauf der Zeit ändern können.

Wer darf den Abstinenznachweis durchführen?

Es gibt spezielle MPU-Begutachtungsstellen, sie heißen auch „Begutachtungsstellen für Fahreignung (BfF)“ und sind von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) autorisiert und anerkannt die MPU durchzuführen. Dort gibt es auch entsprechende Vorbereitungskurse, die die MPU Fragen zum Thema haben.

DEKRA und TÜV sind beispielsweise Institutionen, bei denen Betroffene den Abstinenznachweis erbringen können. Es ist auch möglich, bei bestimmten Ärzten den Abstinenznachweis zu erbringen. Beispielsweise sind

  • Ärzte für Verkehrsmedizin
  • Arbeits- und Betriebsmediziner
  • Rechtsmediziner
  • Ärzte des öffentlichen Dienstes oder des Gesundheitsamtes
  • Ärzte eines forensisch akkreditierten Labors

berechtigt diese Untersuchung durchzuführen.

Wie lässt sich die Abstinenz belegen?

Die Abstinenz lässt sich beispielsweise dadurch belegen, dass Betroffene vor der MPU an einem Abstinenzkontrollprogramm teilnehmen. Dabei werden Screenings mithilfe von Haar- oder Urinproben durchführen. Sind die ganzen Drogencreening Ergebnisse im Verlauf des Kontrollprogramms alle negativ, stellt die durchführende Stelle eine Bescheinigung ausstellen, die dann bei der Untersuchung vorzulegen ist.

Welche Verfahren kommen infrage?

Die gängigsten Verfahren für den MPU Abstinenznachweise sind:

Beide Verfahren suchen nach der gleichen chemischen Verbindung: Ethylglucuronid (EtG). Diese Substanz ist in kleinen Mengen im Körper nachweisbar, wenn jemand Alkohol konsumiert hat. Es verteilt sich mit der Zeit. Wenn sich kein EtG im Körper befindet, gilt der Abstinenznachweis als erbracht.

Die Haaranalyse

Für die Haaranalyse ist die Haarlänge ein wichtiges Kriterium sowie der Zustand der Haare. Mit gebleichten, gefärbten oder getönten Haaren funktioniert der Nachweis der Abstinenz nicht. Für den Abstinenznachweis wegen Alkohol reicht eine Haarprobe, die drei Zentimeter misst und von einem kopfnahen Segment entnommen ist. Um den Nachweis für ein Jahr der Abstinenz zu erbringen, sind vier Haaranalysen durchzuführen.

Für das Drogenscreening muss die Haarprobe sechs Zentimeter lang sein und ebenfalls aus einem kopfnahen Segment stammen. Für den Abstinenznachweis für ein Jahr sind zwei Haaranalysen erforderlich.

Das Urinscreening

Auch ein Urinscreening kann die Abstinenz von Drogen und Alkohol nachweisen. Dazu sind in einem vorher festgelegten Zeitraum mehrere Urinproben zu untersuchen. Dabei legt die untersuchende Stelle die Termine häufig sehr kurzfristig fest, sodass sie nicht vorhersehbar sind. Auf diese Weise können die Betroffenen bei den Proben nicht betrügen, weil sie beispielsweise genau in diesem Zeitraum abstinent leben. Es geht immer darum, die Abstinenz über eine längere Zeit nachzuweisen. Auf diese Weise ist es auch schwer möglich, die Probe einer anderen Person abzugeben.

MPU Abstinenznachweis – wie lange muss der Betroffene abstinent sein?

Normalerweise verlangt die Behörde im Rahmen der MPU einen Abstinenznachweis über ein halbes oder ganzes Jahr. Damit will sie sichergehen, dass der Betroffene wirklich keine Drogen oder Alkohol konsumiert und sich sein Verhalten gebessert hat.

Wenn die Behörde eine MPU anordnet, hat der Betroffene innerhalt einer bestimmten Zeit das positive Gutachten vorzulegen. Es sind Fristen einzuhalten, ansonsten lehnt die Behörde den Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis ab. Wenn gleichzeitig ein Abstinenznachweis gefordert ist, muss dieser vorliegen, wenn die Anmeldung zur MPU erfolgt. Je nach Anforderungen sind sechs bis zwölf Monate Abstinenz nachzuweisen. Die Zeiträume variieren, je nachdem ob der Abstinenznachweis behördlich angeordnet ist oder freiwillig erfolgt. Bei einem freiwilligen Nachweis für Alkoholabstinenz sind das in der Regel sechs Monate.

Was kostet ein Abstinenznachweis?

Die Kosten für einen Abstinenznachweis muss der Kraftfahrer selbst bezahlen, denn sein Fehlverhalten hat dazu geführt, dass die Behörde den Führerschein entzogen und eine MPU angeordnet hat. Die Krankenversicherung – weder die gesetzliche noch die private – übernimmt die Kosten für diese Untersuchungen.

In Abhängigkeit davon, ob Drogen oder Alkohol im Spielwaren, können die Kosten stark variieren. Das hängt auch davon ab, bei welcher Stelle der Betroffene die Untersuchung vornehmen lässt. Es ist daher sinnvoll, die verschiedenen Stellen vorher miteinander zu vergleichen und die entsprechenden Kosten zu erfragen.

Der MPU Abstinenznachweis alleine reicht nicht aus

Viele der mit einer MPU konfrontierten Autofahrer glauben, dass der Abstinenznachweis alleine schon ausreicht, um die Untersuchung zu bestehen. Das ist allerdings ein Irrtum. Der Abstinenznachweis soll die Abstinenz über die vergangenen Monate untermauern. Sie sind ein Nachweis für die Vergangenheit. Die wichtigere Frage, die eine MPU klären soll, ist: Kann der Proband auch in der Zukunft auf den Konsum verzichten? Dabei müssen die Betroffenen sich intensiv mit ihrer Problematik auseinandersetzen und vor allem den Ursachen für den Konsum auf den Grund gehen. Die Teilnahme an einem Abstinenzkontrollprogramm ist für eine intensive Vorbereitung auf die MPU sehr hilfreich. Ebenfalls wichtig ist, dass diese Untersuchungen und das Kontrollprogramm nicht erst kurz vor der Untersuchung stattfinden.

MPU ohne Abstinenznachweis – ist das möglich?

Wenn die Führerscheinstelle bestimmt, das zur Wiedererlangung des Führerscheins ein Abstinenznachweis notwendig ist, lässt sich dieser nicht umgehen. Eine MPU ohne Abstinenznachweis ist undenkbar bei Konsumenten von THC oder anderen illegalen Substanzen. Denn bei Drogen am Steuer fordern die Behörden immer einen solchen Nachweis.

Geht es um einen Abstinenznachweis bei einem Alkoholdelikt, ist die MPU ohne Abstinenznachweis eine Option, wenn die Behörden sie nicht ausdrücklich verlangen. In diesen Fällen kann es schon ausreichen, dass der betroffene Autofahrer seinen Konsum einschränkt und nachweist, dass er das Trinken unter Kontrolle hat.

Im Gespräch für die MPU muss der Betroffene den Gutachter davon überzeugen, dass er sich grundlegende Gedanken gemacht hat. Dabei ist es sehr wichtig, dem Gutachter darzulegen, wie er künftige Fahrten unter Alkoholeinfluss vermeiden will. Der Gutachter wird gezielte Fragen stellen. Sollte dieser dabei nicht davon überzeugt sein, dass es zu keiner Fahrt unter Alkoholeinfluss mehr kommt, könnte er einen Abstinenznachweis vorschlagen. Dieser soll dann beweisen, dass es für den Betroffenen kein Problem ist, den Konsum einzuschränken und in den Griff zu bekommen. Die Kosten dafür muss der Betroffene selbst tragen.